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WM 2018 – ein Glücksspiel für Russlands Wirtschaft

Es sind nur noch wenige Wochen bis zum Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland. Der Staat hat rund 16 Milliarden in den bevorstehenden Sportevent des Jahres investiert. Für die Russen ist die WM ein Glücksspiel. Man hofft nämlich darauf, dass sich das wirtschaftliche Wachstum auch nach Abschluss der letzten Spiele stabil hält – und das dem Land nicht erneut der Tourismus zusammenbricht. Bereits in den letzten Jahren hatten die jeweiligen Austragungsländer auf eine florierende Wirtschaft gehofft. Man kann jedoch von einem Glücksspiel sprechen, denn bisher haben sich die meisten Länder schlichtweg zu viel versprochen.

Russlands Elf wird sich beim Eröffnungsspiel mit Saudi-Arabien messen müssen. Was noch vor wenigen Jahren undenkbar schien, wird am 15. Juni Wirklichkeit. Die Spannungen zwischen den Ländern haben sich jedoch glücklicherweise ein wenig beruhigt. Beide Länder stehen seit jeher für die Ölförderung, und der Konkurrenzkampf war eigentlich schon immer gnadenlos. Inzwischen haben sich Russland und Saudi-Arabien verbündet. Nun, wo sie auf dem Platz gegeneinander antreten, müssen sie zumindest für 90 Minuten als scharfe Konkurrenten agieren. Für Spannung ist beim Eröffnungsspiel also allemal gesorgt.

Das Ölgeschäft läuft – der Tourismus dagegen kaum

WM 2018Für den Ölstaat läuft es, wenn es ums schwarze Gold geht, ziemlich gut. Jedes Jahr werden durch die Förderung und den Zufluss durch das Finanzministerium Milliarden erwirtschaftet. Dagegen scheint die bevorstehende Weltmeisterschaft 2018 mehr oder weniger ein Glücksspiel als eine berechenbare Einkommensquelle zu sein. Die 16 Milliarden Euro, die in neue Stadien und dergleichen investiert wurden, lassen sich vermutlich nur schwer wieder rein holen. Insgesamt sind es sogar ganze 11 neue Stadien, die allein der Austragung des Fußballevents dienen sollen. Auch Modernisierungen hatte es gegeben – ebenso wie eine Aufwertung der Infrastruktur. Damit sollen es Touristen in den kommenden Wochen leichter haben, verschiedene Austragungsorte zu erreichen.

Um die spätere Nutzung hat sich Russland, wie schon viele Länder zuvor, keine großen Gedanken gemacht. Zwar wird das Prestige des Landes für rund einen Monat ein wenig erhöht, langfristig sollte sich Russland jedoch nicht allzu viele Hoffnungen machen. Die außenpolitischen Verwerfungen sind ein Hauptgrund dafür, dass Touristen schon seit längerem ausbleiben. Noch steht zudem in den Sternen, ob sich die Investition überhaupt gelohnt hat. Es kann noch nicht abgeschätzt werden, wie viele Fans nach Russland reisen – und ob der Tourismus dadurch tatsächlich gesteigert wird.

Russland hoff auf Besserung

McKinsey, ein Beratungsunternehmen, stelle fest, dass sich das Wachstum bisweilen lediglich um rund einen Prozent gesteigert hat. Das ist nicht unbedingt der erhoffte Wert. Ums Bruttoinlandsprodukt in Russland ist es schon seit 2012 eher schlecht bestellt. In den folgenden Jahren sank zudem der Ölpreis, was ebenfalls negative Auswirkungen auf die Wirtschaft hatte. 2017 ging es zwar aufwärts, allerdings nur minimal. McKinsey schätzt, dass die im Zuge der Fußballweltmeisterschaft 2018 errichtete Infrastruktur Folgekosten in Höhe von bis zu 110 Milliarden Rubeln nach sich ziehen wird. Dadurch allerdings könne das Bruttoinlandsprodukt zumindest ein wenig steigen. Russland bleibt bei der Hoffnung, dass man endlich wieder Touristen anziehen kann – und das auch lange nach Abschluss der WM. Allerdings kann man hier tatsächlich von einem Glücksspiel reden, denn schon andere WM und EM Austragungsländer in den Vorjahren mussten schnell feststellen, dass diese Hoffnung nichts weiter war als eine Seifenblase.

Deutschland und auch Südafrika sowie Brasilien haben bewiesen, dass man durchaus Erfolge haben kann mit der Austragung einer Weltmeisterschaft. Hier blieb der Touristenzuwachs jeweils bis zu fünf Jahre nach dem Event stabil.

Russland isoliert sich wirtschaftlich

Schätzungen zufolge sollen bis zu zwei Millionen Touristen aus dem Ausland einreisen, um sich die WM 2018 aus nächster Nähe anzuschauen. Allerdings haben sich ebenso viele Menschen gegen die Reise entschieden, denn die Kluft zwischen dem Westen und Russland wird auf politischer Ebene immer größte. Mit Verhängung der Sanktionen durch die USA hat sich die Lage weiter verschärft. Russland isoliert sich immer weiter, und das hat natürlich Auswirkungen auf den Tourismus im Allgemeinen.

Gerade dies ist der Hauptgrund dafür, dass Kritiker nicht so recht an einen wirtschaftlichen Erfolg für das Land glauben wollen – ob nun mit oder ohne WM. Noch bleibt nur, die nächsten Wochen und Monate abzuwarten. Langfristige Ergebnisse können aktuell schlecht vorausgesagt werden. Dafür ist in Russland einfach zu viel passiert.

Wirtschaft grenzt an Glücksspiel

Während das Land die Hoffnung nicht aufgibt, setzt man in weiteren Teilen Europas darauf, zumindest die Glücksspielbranche weiter anzukurbeln. Sportwetten liegen gerade jetzt wieder voll im Trend. In vielen virtuellen Wettbüros und Casinos können schon seit einigen Wochen Tipps abgegeben werden. Russland selbst hat dadurch zwar keine Vorteile, doch auch dort gibt es einige Wettseiten, die aktuell ziemlich gut laufen. Da das Land Glücksspiele allerdings nicht offiziell reguliert, sind Steuereinnahmen nicht zu erwarten. Die Betreiber zahlen ihre Steuern im jeweils eigenen Land, so dass man auch hieraus keine neue Hoffnung schöpfen darf. Offizielle Zahlen zur WM können wir nach den ersten Begegnungen bekanntgeben. Bisweilen scheint es so, als seien die Erwartungen an den Tourismus einfach viel zu hoch.

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