Testberichte - Bewertungen - Sicherheit - 100% seriös

Hamburger Banker veruntreut 1,7 Millionen Euro

Das Amtsgericht Barmbek verurteilte vor wenigen Tagen einen Banker, der offenbar rund 1,7 Millionen Euro veruntreut hat. Bei dem Mann handelt es sich um den bis zur Verhandlung verantwortlichen, stellvertretenden Leiter einer Hamburger Bankfiliale. Anlass für die schnell eintretende Spielsucht war anscheinend die Aussage eines Kollegen, der dem Beklagten erklärte, man könne an der Börse Geld machen, ohne sich groß anstrengen zu müssen. Was harmlos klingt, führte den Banker in die Spielsucht – und damit in eine Schuldenspirale, aus der er nicht mehr heraus kam.

Schnelles Geld an der Börse machen – diese Hoffnung hatte der 44 Jahre alte Banker, nachdem ihm sein Kollege von den unglaublichen Möglichkeiten berichtete. Besagter Kollege hatte offensichtlich damit begonnen, mit Wertpapieren auf den Dax zu spekulieren. Kurzerhand entschied sich auch der stellvertretende Filialleiter, sein Glück zu versuchen. Zunächst genügte ihm sein eigenes Geld, denn schlecht verdient hat der Verurteilte sicher nicht. Irgendwann war das Budget jedoch ausgeschöpft, so dass er sich dazu entschied, Kredite aufzunehmen und seinen Vater nach Geld zu fragen.

Fatale Folgen durch Spielsucht an der Börse

Dass die Strafe nicht noch drastischer ausfiel, hat der Verurteilte seiner eigenen Reue zu verdanken. Er war vollumfänglich geständig und erklärte vor Gericht: „Ich bereue meine Taten zutiefst. Ich lebte in einer komplett anderen Welt. Aber ich schaffte es nicht, auszubrechen, der Druck zu gewinnen wurde nur immer größer.

Laut eigenen Angaben habe der Banker recht schnell den Überblick über seine massiven Ausgaben verloren. Gewonnen hatte er kaum etwas, und so rutschte er immer tiefer in die Sucht ab. Letztlich ist das Spekulieren an der Börse nichts anderes als ein Glücksspiel. Gerade wenn keine Erfahrung vorhanden ist, kann einen die Investition buchstäblich den Kopf kosten. Diese Erfahrung musste nun auch der 44 Jahre alte Banker machen. Er steht heute mit einem riesigen Schuldenberg, einer Bewährungsstrafe und ohne berufliche Perspektive da. Die Wahrscheinlichkeit, dass er noch einmal beruflich Fuß fassen wird wie zuvor, ist bei der Vorgeschichte schwindend gering.

Pathologisches Verhalten und Einfallsreichtum

Natürlich musste der Banker einiges dafür tun, um überhaupt in so kurzer Zeit 1,7 Millionen Euro zu veruntreuen. Wie die Staatsanwaltschaft ermittelte, gab es rund 95 Konten, die der Mann eröffnete – allesamt mit frei erfundenen Namen. Den fiktiven Kunden räumte der stellvertretende Filialleiter Darlehen, Dispo-Kredite und weitere Verfügungsrahmen ein. Das Geld wurde dann von den falschen auf sein eigenes Konto umgebucht. So kamen sehr schnell hohe Summen zusammen, die kurzerhand wieder an der Börse verzockt wurden. Die verhältnismäßig milde Strafe ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass es im Zuge der Verhandlung ein Gutachten gab. Der verantwortliche Gutachter erkannte, dass die Spielsucht echt sein muss. Dem Banker war es gar nicht wichtig, selbst reich zu werden. Vielmehr stand die Spielsucht – oder wie das Gutachten aussagt die „typische Dynamik eines Spielsüchtigen“ – im Vordergrund.

Dass der Verurteilte so weit abgerutscht war, sei laut psychologischem Gutachten auch auf seine sehr schwierige Kindheit zurückzuführen. Offensichtliche hatte der 44-Jährige viele Jahre unter seinem gefühlskalten Vater und einer alkoholsüchtigen Mutter zu leiden. Eltern, wie sie eigentlich sein sollten, hatte der Mann nicht. Er war schon in jungen Jahren auf sich selbst gestellt, bekam keine Zuneigung und hatte offenbar sehr darunter gelitten. Lob und Anerkennung gab es so gut wie überhaupt nicht. Nun führte diese Kindheit scheinbar dazu, dass der Banker einen Weg suchte, die fehlenden guten Gefühle zu kompensieren. Mit seinen Spekulationen an der Börse wollte er Glücksgefühle, den Sinn für Erfolg, erreichen. Das Gegenteil war jedoch der Fall, denn recht schnell lief das Spielverhalten in eine komplett andere Richtung.

Leo Vegas Angebot

Schuldunfähigkeit nimmt das Gericht bedingt an

Der Gutachter machte deutlich, dass man an der Stelle eigentlich von Schuldunfähigkeit sprechen könne. Schlussendlich war es dem Angeklagten nie möglich gewesen, sich selbständig von der massiven Sucht zu lösen. Erst als man ihm auf die Schliche kam, war das Spiel wortwörtlich vorbei. Im Anschluss hatte sich der Banker dann doch eigenmächtig um eine therapeutische Lösung bemüht und wird fortan betreut, um seiner Spielsucht den Kampf anzusagen. Inzwischen ist er sogar wieder berufstätig, muss aber natürlich vorsichtig sein, keinen Rückfall zu erleiden.

Die Staatsanwältin gibt dem Gutachter weitestgehend Recht. Der Richter merkte dagegen an: „Eine Steuerungsunfähigkeit sehen wir nicht. Dafür waren sie viel zu planvoll.“ Aufgrund des Geständnisses sowie des Gutachtens hatte das Gericht den Banker zu keiner Haft verurteilt. Die zwei Jahre wurden auf Bewährung ausgesetzt. Dennoch muss der Mann ganze 1,7 Millionen Euro zurückzahlen. Er hat sicher einen langen Weg vor sich, sollte aber inzwischen daraus gelernt haben.

Vorschau

Hamburger Banker veruntreut 1,7 Millionen Euro
Jetzt spielen!